Mit dem SUP um Hiddensee – Ein Sommererlebnis

Einmal mit dem SUP um Hiddensee war das erklärte Ziel für den Sommerurlaub dieses Jahr. Einmal direkt am Ufer lang, vorbei an den unzähligen Buhnenreihen auf der Westseite, dem kleinen Leuchtturm im Süden – dem Gellen – und dann an der Ostküste wieder hoch. Auf Neuendorf folgt Vitte, dann kommt Kloster und ganz im Norden noch Grieben, bevor die Steilküste beginnt und oben am Klausner das große Leuchtfeuer weithin zu sehen ist. Es sollte ein kleines Abenteuer, eine kleine sportliche Herausforderung werden. Hiddensee ist mir gut bekannt und außerdem hat Hiddensee ein Suploch. Richtig gehört. Hiddensee ist suptechnisch weit vorn, nur das Suploch heißt richtig ausgesprochen Saufloch. Aber egal, die Insel ist nicht groß (keine 17 km lang und an der schmalsten Stelle nur etwa 300 Meter breit) und die Frage war eigentlich nur, was man am Nachmittag macht, wenn man zeitig lospaddelt. Ja, ja der Größenwahn in Kombination mit Wind und Wellen sollte mir noch zu schaffen machen. Doch nun mal schön der Reihe nach.

Wenn man sich Hiddensee auf der Karte anschaut, dann sieht die kleine Insel wie ein Haken aus. Rechts ist Bodden und dann kommt schon Rügen, im Süden liegt Stralsund und im Norden und im Westen ist Ostsee so weit das Auge reicht. Nur aus ca. 37 km Küstenlinie werden durch die Nationalparkschutzzonen im Norden und im Süden schnell über 54 km und wenn man keine saftigen Ordnungsstrafen riskieren will, sieht man sich genötigt, weit auf die Ostsee/ bzw. den Bodden hinauszupaddeln, wo vom Küstenfeeling leider nicht viel übrig bleibt. Da paddelt man dann immer schön 50 Meter neben der Fahrrinne, kilometerweit von der Insel entfernt, im Süden fast schon auf Stralsund zu – Abkürzungen sind nicht nur verboten, sondern oft auch gar nicht möglich, weil das Vogelschutzgebiet teilweise trocken fällt und nur von wenigen Zentimetern Wasser bedeckt ist – und oben im Norden sieht es ganz ähnlich aus.

Einfach ist eine Umrundung folglich nicht und ich kann jedem Paddler nur empfehlen, sich vor einer solchen Tour beim http://www.surfundsegelhiddensee.de/in Vitte gut über die aktuellen Gegebenheiten zu informieren. Denken sie daran, daß man nur nach Hiddensee kommt, wenn man sein Auto auf einem Parkplatz bei Rügen abstellt (in Schaprode), oder in Stralsund, und auf eine Fähre steigt. Hiddensee ist autofrei und wer sein eigenes SUP mitbringt, der hat dann ordentlich zu schleppen. Bliebe noch die Pferdekutsche, aber das habe ich nicht probiert, weil ich mir im Surfcenter bei Surf & Segel (Vitte, direkt gegenüber der alten Mühle) ein Naish Nalu ausgeliehen habe.
Immer mal wieder den Windguru befragt, auch auf die Strömungskarten sollte man einen Blick werfen, und dann sah es eines Tages ganz gut aus. Jetzt oder nie lautete die Devise, bevor am Nachmittag der Wind auffrischen sollte. Früh um 7 rauf aufs Board, reichlich Flüssigkeit und was zu futtern, Kartenmaterial, Geld und Telefon und los. Von Vitte aus kommend erstmal in südliche Richtung. Vorbei an endlosen Buhnenreihen, langen, fast menschenleeren Sandstränden – nur eine ältere Dame ruft ihrem Mann entzückt zu, „schau mal da, wie ein Gondoliere“. Na wenn das kein Kompliment ist. Brust raus und gleich den Hauch von Rückenwind für etwas mehr Tempo nutzen. Sagte ich da eben Rückenwind? Keine Panik dachte bei mir. Bevor der auffrischt, bin ich längst wieder zu Hause. Am kleinen Leuchtturm im Süden schnell ein Päuschen und dann muß man auch so langsam raus auf die offene See. Weg von der Küste, weil die Schutzzone des Nationalparks beginnt.

Da steht man dann auf der Ostsee, die Wellen werden größer, der Wind langsam stärker und die Blicke, die mir von vorbeifahrenden Schiffen aus zugeworfen werden, die wirken irgendwie mitleidig. Oder bilde ich mir das nur ein? Inzwischen liegt Hiddensee weit hinter mir und die Reste der DDR-Erdölförderung tauchen in Gestalt zweier riesiger Betonklötzer im Meer vor mir auf. Endlich habe ich es geschafft, jetzt geht es Richtung Rügen und dann weiter nördlich, bald habe ich den Windschatten der Insel erreicht und kann wieder an die Küste von Hiddensee. Wo ist eigentlich die Insel abgeblieben und wo kommt plötzlich der Wind her und was machen denn so hohe Wellen auf dem Bodden? Jeder Paddelschlag wird zum Kraftakt. Einmal aussetzen und das Board fährt rückwärts und dann sind da Böen, die schon das Vorsetzen des Paddels deutlich erschweren. Nach zwei Stunden habe ich mich mit Ach und Krach bis auf die Höhe von Suhrendorf (Rügen) vorgearbeitet und bei einem gefühlten 50er Oberarm und einer leichten Panik im Blick erscheint mir zum Glück ein Fischer mitten auf dem Bodden als Retter in der Not. Hier, hallo, sie da, hier her, könnten sie mich mal rausfischen und in einem Hafen auf Hiddensee an Land setzen? Gesagt getan und inzwischen weiß ich alles über Aalfang mittels Reusen. Gar nicht so uninteressant und wenig später kam die Küste von Hiddensee endlich wieder in greifbare Nähe. Was für ein Anblick. Nachdem ich schon befürchtet hatte, daß mich der Wind in Stralsund in den Hafen drückt und ich mit der Fähe und einem überlangen Gepäckstück zurückfahren muß, freue ich mich nun noch viel mehr über den Anblick der schilfbewachsenen Boddenküste und der Häuser von Neuendorf. Bis Vitte sind es noch einmal gute sechs Kilometer und ich hoffe, daß mir wenigstens dieses kleine Teilstück aus eigener Kraft gelingt, bevor ich das Vorhaben ganz aufgebe. Weiter hoch bis um die Steilküste herum werde ich es bei diesen Verhältnissen nicht mehr schaffen. Nur diese sechs Kilometer bis Vitte, die sollten im Schutze der Küste doch möglich sein. Am Ende habe ich dafür fast drei Stunden gebraucht. Alles in allem bin ich gute 37 km gepaddelt und wenn mich der Fischer nicht aus dem Bodden gefischt hätte, dann wäre ich in Stralsund gelandet. Zum Glück kam der Wind aus dem Norden. Die falsche Richtung, die falsche Planung und schon landet man in Dänemark – wenn man überhaupt irgendwo landet. Solche Touren sollte man vielleicht lieber nicht alleine starten. Wie war das mit dem Größenwahn?

Damit es Ihnen aber besser ergeht, habe ich einige Vorschläge. Schließlich geht es um den Spaß und die Freude am SUPen.

Lassen sie ihr Board zu Hause und holen sie sich bei Suf & Segel in Vitte das Nalu. Paddel gibt es auch und dann machen sie mal einen Ausflug in Richtung Süden. Nach etwas mehr als einer Stunde kommt der kleine Leuchtturm in Sicht und wenn sie nicht die gleiche Strecke wieder zurückpaddeln wollen, dann klemmen sie sich ihr Board einfach untern Arm und laufen zur Boddenseite rüber. Keine 300 Meter und schon sind sie wieder auf dem Wasser. Paddeln sie entlang der Küste in Richtung Norden und obwohl es eigentlich verboten ist, kann man in einiger Entfernung vom Hafen Neuendorf die Fahrrinne vorsichtig kreuzen, nachdem man sich gründlich umgeschaut hat. Vorbei an Neuendorf, weiter bis zur Fährinsel und dann bis zurück nach Vitte, wo man gut wieder aussteigen kann. Jetzt sind sie auf der Boddenseite und müssen das Board nur einmal quer rüber tragen. Glauben sie mir, das ist lange nicht so anstrengend wie meine Tour, die leicht in einem Fiasko hätte enden können. Bei Windstille, leichtem Westwind oder einem Lüftchen aus dem Norden, kann man natürlich auch von Vitte aus in den Norden paddeln. Der ist landschaftlich gesehen reizvoller. Hinter Kloster beginnt die Mole aus aufgetürmten Granitblöcken und man muß einige Meter vom Ufer weg. Aber nach der ersten großen Biegung hat man ein Ziel vor Augen und kann dann wieder direkt am Ufer entlangfahren. Dort, wo die Steilküste flacher wird und ausläuft – das ist der Enddorn – sollten sie langsam umdrehen. Kurze Zeit später beginnt die nördliche Schutzzone und sie müssen weit auf die Ostsee hinaus um den ganzen Bessin zu umpaddeln, selbst 50 Meter neben der Fahrrinne bekommen sie noch jede Menge Wellen vom Schiffsverkehr ab und das Ufer von Hiddensee ist weit weg. Drehen sie einfach um und paddeln sie in aller Ruhe zurück. Die Tour dauert je nach Kraft und Ausdauer zwei bis drei Stunden und sie gehen kein Risiko ein. Viel Spaß auf Hiddensee.

Texte und Photocredits: Erik Korman (Berlin)

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  2 comments for “Mit dem SUP um Hiddensee – Ein Sommererlebnis

  1. 24. August 2011 at 07:39

    Und nächstes Jahr werde ich es auf jeden Fall wieder versuchen. Wenn absolut kein Lüftchen weht, dann sollte es leicht zu schaffen sein. Wer macht mit?

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