Winheller Prototypes – Interview mit Lars Winheller

Lars Winheller

Dem Winter entfliehend folgte ich gemeinsam mit meinem Bruder Max einer Einladung von Lars Winheller dem Inhaber von Winnheller Prototypes. Gemeinsam wollten wir mit ihm Richtung Südfrankreich zum Finnen Testen und Trainieren.

Sicher wird vielen der Name „Winheller Prototypes“ ein Begriff sein. Seit nun mehr 3 Jahren widmet sich Lars vollkommen seiner Leidenschaft – Finnen. Insbesondere ist Lars für seine Slalomfinnen und Seegrass(speed)finnen bekannt. Nachdem der sympathische Villinger einen Milchkaffee par excellence serviert hatte, durfte ich die heiligen Hallen seiner Werkstatt betreten. Lars hat eine kleine Werkstatt direkt in Radolfzell am Bodensee. Geht man eine Tür weiter, betritt man die Custom Schmiede von Günther Lorch. Eine sinnvolle Kombination für die beiden, für mich ein kleines Windsurfmekka. Nach einigen ungläubigen Blicken durch die Hallen und einem super interessanten Gespräch mit Günther Lorch stellte sich Lars meinen Fragen.

Das ist dabei rausgekommen:

Hey Lars, zuerst Danke das du Zeit hast für dieses Interview und vor allem für den guten Milchkaffee. Bevor wir ans eingemachte gehen wollte ich mal ein paar andere Dinge wissen. Du arbeitest bei der Finnenherstellung ausschließlich mit Carbon. Hast du denn schon einmal andere ungewöhnliche Dinge aus Carbon gebaut
Lars: Hallo Paul, ja, ich habe in den letzten Jahren schon einige skurrile Dinge aus Carbon gebaut. Alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Das faszinierende an Kunststoffen, speziell am Faserverbundwerkstoff, ist ja, dass man an keinerlei Form und Farbe gebunden ist. Du kannst echt alles damit machen.

Wohin gehen deine Finnen denn so, hast du schon welche nach Übersee gesendet?
Lars: Ich habe schon Finnen um die ganze Welt verschickt. Australien, Neuseeland, Amerika, sogar auch einmal nach Kolumbien. Heutzutage ist das ja kein Problem mehr.

Welche war die ungewöhnlichste Finne die du jemals gebaut hast?
Lars: Ich habe hin und wieder Kunden, die sehr spezielle Wünsche haben. Ich erinnere mich an eine 48er „Wavefinne“ die ich mal bauen sollte. Oder eine Formulafinne mit 100cm Länge. So etwas zu bauen ist nicht das Problem, sondern eher das sich Windsurfer oft überschätzen und Finnen fahren wollen, die gar nicht zu ihrem Material oder ihrem Fahrkönnen passen.

Baust du eigentlich auch Kitefinnen?
Lars: Ich habe in den letzten Jahren viele Kite-Racefinnen gebaut, letzten Herbst ist Florian Gruber sogar Weltmeister mit meinen Finnen geworden! Aber wie es hier weitergeht, kann ich im Moment noch nicht sagen. Auf zwei Hochzeiten (Kiten&Windsurfen) gleichzeitig tanzen schaffe ich zeitlich gar nicht, außerdem kann ich selber nicht kiten, was das Verständnis und die Weiterentwicklung von Kiterace-Finnen für mich nicht gerade leichter macht. Kommen wir zu deiner Haupttätigkeit, ich betone „Haupt“, denn zu deinem zweiten Talent kommen wir noch.

Seit wann baust du eigentlich Finnen und wie kam es dazu?
Lars: Ich habe mit 18 meine erste Finne gebaut. Damals hat Günter Lorch mir das Finnenbauen beigebracht. Seitdem arbeiten wir sehr eng zusammen, seit einem Jahr sind wir sogar ein einer gemeinsamen Werkstatt in Radolfzell am Bodensee.

Wie unterscheiden sich deine Finnen von den Konkurrenten? Konkret was kann eine Slalomfinne von dir vielleicht besser als andere und was vielleicht auch nicht?
Lars: Was Slalomfinnen von anderen Herstellern können oder nicht können, kann ich nicht genau sagen. Natürlich blickt man immer wieder über den Tellerrand und schaut, was die anderen so machen. Aber die kochen auch alle nur mit Wasser.

Arbeitest du derzeit an einem neuen Modell?
Lars: Ich arbeite ständig an Verbesserungen meiner Finnen. Aktuell habe ich z.B. einige Prototypen einer neuen Seegras-Speedfinne dabei, die ich hier testen will.

Wie verlief in den letzten Jahren die Entwicklung und der Fortschritt bei der Finnenentwicklung?
Lars: Die Finnen-Entwicklung hat in den letzten Jahren einen gigantischen Sprung nach vorne gemacht. Neue Materialien, neue Profile, aber auch die Weiterentwicklung der Boardshapes und der Segel hatten auf die Finnen einen großen Einfluss.

Welches Innovationspotential gibt es eigentlich noch bei der Entwicklung von Slalomfinnen?
Lars: Eine grundlegende Innovation, speziell bei Slalomfinnen, wird es wohl in der nächsten Zeit nicht geben. Es wird hier und da kleine Veränderungen geben. Ich denke dass die Finnen noch mehr Power bekommen, sodass die Länge einer Finne noch mehr reduziert werden kann. Viel spannender finde ich den Gedanken, das ganze Slalom-Entwicklungspotential auf Freerider oder Freeracer zu transferieren. Mich wundert es ohnehin, dass es hier noch keine Bemühungen oder Aktivitäten seitens der Boardhersteller gibt. Zwar redet die ganze Welt von Shape-Innovationen, dünner, breiter, kürzer…, aber die Hersteller liefern immer noch alte, steife und in der Regel viel zu große G10-Prügel mit ihren Boards aus. Bei LORCH haben wir beisielsweise letztes Jahr damit begonnen, zu den Serienboards optional Carbonfinnen auszubieten. Das kommt sehr gut an und die Ergebnisse sind sensationell.

Wird sich bei den Materialien in Zukunft irgendetwas verändern?
Lars: Carbon und Glas haben schon nahezu perfekte Eigenschaften, um Finnen daraus zu bauen. Zwar hört man immer wieder mal von Neuentwicklungen, beispielsweise von Dornier oder sogar der Nasa, in deren Laboren Wundermaterialien entstehen. Das hört sich immer sehr spannend an, aber für den Alltagsgebrauch ist so etwas natürlich ungeeignet. Das größte Potential sehe ich in Zukunft bei den Epoxydharzen. Oft wird das noch unterschätzt. Wenn man sich mal vorstellt, welche Belastungen auf einer Finne, diesen paar Quadratzentimetern Kunststoff, einwirkt: Dauerschwing-Belastung, Bruchdehnung, Torsionskräfte… Die Harze, die die  Kohlefaser-Matrix in einer Finne während diesen Belastungen zusammenhalten, müssen schon einiges abkönnen. Die Harze haben sich in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt, und ein Ende dieser Entwicklung ist noch lange nicht in Sicht. Es bleibt also spannend.

Du selbst hast schon das ein oder andere Board selbst gebaut und hast jetzt mit Günther Lorch sicher einen guten Lehrmeister, wo geht die Reise hin? Bleibt das Shapen nur ein Hobby oder möchtest du in Zukunft vielleicht irgendwann nur noch Bretter bauen?
Lars: Nein, es wird von mir sicher erstmal keine Customs zu kaufen geben. Ich baue nur für mich selber oder mal was für einen guten Freund. Wer ein gutes Brett gebaut haben möchte, muss nach wie vor zu Günter gehen. Der kann das ohnehin um Welten besser als ich. Ich baue Bretter, weil mich das Zusammenspiel von Finne und Shape interessiert. Ich habe durch Günter wahnsinnig viel über Shapes und Finnen gelernt. Und es schadet bestimmt nicht, wenn ein Finnenbauer auch Boards shapen kann.

Danke Lars für dieses interessante Interview!

Abschließend bleibt mir nur der Hinweis auf Lars seine Homepage. Auf http://www.winheller-prototypes.de/ könnt ihr euch Winheller Finnen und Lars‘ Arbeit informieren. Wer Unterstützung bei der Wahl der passenden Finnen für seine Board-Segel-Kombinationen braucht, findet auch hier eine gute Orientierungshilfe: http://new.winheller-prototypes.com/?p=2152

Text und Fotos: Paul Bohne

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